Streiten braucht Übung

Streitendes junges Paar (Quelle: Fotolia.de)

Ich weiß nicht, wie alt Sie sind oder wie lange Ihre Beziehung schon hält, aber wenn gerade Ihr erstes Baby auf dem Weg ist, kommen da diverse Belastungsproben auf Sie zu. Vielleicht wäre jetzt eine gute Zeit, sich ein paar vorausschauende Gedanken zu machen:

Wer wird nachts was machen?

Stellen Sie sich nur mal für einen Moment lang vor, Sie hatten Gäste – sagen wir zur Taufe. Es war ein herrlicher Tag und es ist spät geworden – halb zwei morgens, oder so – und um sechs Uhr ist die Nacht schon wieder zu Ende. Sie werfen einen kurzen Blick auf Ihr Kleines, das friedlich und ruhig schläft. Ein Lächeln huscht über ihre Gesichter und schnell schlüpfen Sie beide ins Bett unter die Decke. Ihre Augen sind schwer und weil Sie so müde sind, kuscheln Sie sich aneinander und plumpsen in den Schlaf – und zwei Minuten später wacht ihre Kleines auf. Es hat Hunger und muss frisch gewickelt werden. Ist es in Ordnung, wenn der Vater liegen bleibt und sagt: „Schatz, ich muss morgen früh ‚raus – ich brauche meinen Schlaf!” …?

Wochenende

Wie wird das an Wochenenden sein? Werden Sie genügend Zeit für Zweisamkeit haben? Denn die werden Sie auch brauchen. Und Zeit auch für Dreisamkeit?  Denken Sie dran, dass jeder von Ihnen auch noch Freunde hat und behalten sollte – können Sie da Ihren Partner auch wirklich mal gehen lassen, ohne eifersüchtig zu Hause zu bleiben?

Erziehungsurlaub

Was bedeutet das für Sie? Das derjenige, der zu Hause bleibt, für alles zuständig ist, was zu Hause passiert – und der andere sich voll und ganz auf seinen Job konzentriert? Oder packt der andere auch mal im Haushalt mit an?

Zeit ist das, was Veränderungen sichtbar macht. Man kann sich manchmal gar nicht vorstellen, was sich alles ändern kann – vor allem, wenn man ein erstes Kind bekommen hat. Sie werden sehen, dass schon bald die frisch gebackene Mama dunkle Ringe unter den Augen haben und auch mal was anderes machen will oder muss – und Eltern sind beide! Der Umstand, nur selten wirklich mal durch- oder gar ausschlafen zu können, die psychische Anspannung, auch ja wirklich alles richtig machen zu müssen (und zu wollen) können einen rasch in die Erschöpfung treiben … und dann sind Streits nicht mehr weit entfernt. Oh, apropos:

Streit

Was wird geschehen, wenn Sie den ersten handfesten Krach haben?  Werden dann gleich die Koffer gepackt und mit Auszug gedroht? Oder wird der andere dann einfach rausgeworfen? Bedenken Sie: Es gibt nicht mehr nur Sie beide …

Ich bin nicht in der Position, Ihnen zu sagen, was Sie machen sollen oder nicht.  Ich kann Ihnen aber sagen, was ich lernen musste:

  1. Streits zu beenden!  Es ist nur eine Auseinandersetzung um eine Sache oder einen Standpunkt – und zu jedem Argument lässt sich ein Gegenargument finden.  Akzeptieren Sie das – je schneller, desto besser.
  2. Möglichst gemeinsam zu Entscheidungen zu kommen – auch wenn das bedeutet, dass einer von beiden – wahrscheinlich Sie – nachgeben und sich auf etwas einlassen muss, von dem keiner der beiden weiß, was am Ende wirklich passieren wird.
  3. Nicht zu beleidigen.  Auch wenn man im Streit ist, muss man sich beherrschen.  Kränkungen sind für manche schwer verdaulich und nagen lange Zeit im Inneren.  Konzentrieren Sie sich auf das, worum es geht – und es geht sehr selten um Ihr Gegenüber!
  4. Die Vergangenheit vergangen sein zu lassen.  Argumente wie „du hast damals auch …“ lösen kein Problem, verlängern aber den Streit. Jeder muss seine eigenen Fehler machen und jetzt geht es im Augenblick darum, weiter zu gehen und eine Lösung zu finden … und wenn es nur die ist, diesen Streit zu beenden und wieder gut miteinander zu sein.
  5. Ihre Frau oder Ihr Mann ist weder Kollege noch Mitarbeiter, dem man Anweisungen gibt und im Zweifel eine Abmahnung schickt.  Es ist Ihr gleichberechtigter und ebenbürtiger Partner mit eigenen Meinungen, Stärken und Schwächen.  Genau wie Sie.  Wenn Sie das akzeptiert haben, dann sind Sie schon einen großen Schritt weiter.  Wenn Sie dann noch lernen, sich zu beherrschen und auf das zu konzentrieren, worum der Streit geht, ist eigentlich alles schon im Lot.

Streiten braucht Übung. Deshalb ist es enorm wichtig (siehe Punkt 1), möglichst schnell wieder aufeinander zu zugehen und einander zu verzeihen. Ich bin zum dritten Mal verheiratet, weiß also schon recht gut, wie das ausgeht, wenn man stur oder unversöhnlich ist. Der für mich persönlich wichtigste Lernschritt war, einen Streit niemals mit in den Schlaf zu nehmen, sondern ihn vorher zu beenden und wieder gut miteinander zu sein.

Sie werden Eltern – und es ist wichtig, auf Ihren Partner zählen und ihm/ihr vertrauen und verzeihen zu können. Dann haben Sie große Chancen, eine lange und gute Beziehung und eine großartige Familie zu haben.

Genießen Sie die Zeit … 🙂

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